Der „menschliche Weißabgleich“ im Gehirn

Das menschliche Sehen arbeitet nicht wie ein objektives Messgerät, das von den Augen aufgenommenes Licht unverändert auf eine Art „Monitor“ im Gehirn projiziert. „Gesehene“ Bilder entstehen erst im Gehirn und indem es die empfangenen Signale mit vorhandenen, bekannten Mustern und Farben vergleicht.

Dieser Vorgang ist hoch komplex und bis heute noch nicht vollständig erforscht. Sicher ist lediglich, dass dadurch die wahrgenommenen Farben tendenziell an bekannte Bilder angepasst werden und dadurch Farbschwankungen tendenziell ausgeglichen werden.

Freddy bei KerzenlichtDas ist der Grund, weshalb das zuvor verwendete, bei Kerzenlicht aufgenommene Beispielfoto zu rot erscheint – die Kamera kompensiert die durch unterschiedliches Licht entstehenden Farbunterschiede nicht im gleichen Maße wie das Gehirn.

Hinzu kommt, dass diese Anpassung der Farbwarnehmung im Gehirn für verschiedene Bildteile unterschiedlich erfolgt, das kann bisher noch keine Digitalkamera.

Hierzu ein Schnappschuss aus dem Winterurlaub (für eine vergrößerte Wiedergabe anklicken):

Beachten Sie, wie die von der Sonne beleuchtete Schneefläche rechts sehr neutral weiß wiedergegeben wird – kein Problem für den vollautomatischen Kamera-Weißabgleich. Der Schnee in den mehr oder weniger stark im Schatten liegenden Bildteilen ist hingegen nicht nur dunkler, sondern auch bläulich verfärbt. Das menschliche Gehirn bekommt es aber hin, Ihnen den Eindruck zu geben, der Schnee sei überall weiß, wenn Sie eine solche Szene in der Realität sehen.

Man kann solche Farbstiche nur relativ aufwändig in nachträglicher Bildbearbeitung korrigieren, bei der ein Mensch entscheidet, welche Bildteile welche Korrektur bekommen.