Ein Herbstmotiv am Straßenrand

Worum es geht

Dieses „Foto mit Geschichte“ ist ein mit wenig Aufwand entstandenes Herbstbild, das sich eher zufällig ergab.

Es veranschaulicht

  • wie lohnende Fotomotive auch in einer alltäglichen Umgebung praktisch versteckt sein können
  • wie sich der richtige Blickwinkel auf Ihr Bild auswirken kann
  • dass man nicht immer mit Kameraeinstellungen herumspielen muss, sondern oft auch der Vollautomatik vertrauen kann
  • die Verbesserung eines Bildes durch Beschneiden.

Es geht also um keine Spitzfindigkeiten der Fotografie, sondern sehr grundlegende Dinge – aber wichtige.

Das fertige Bild

Ein Klick auf das Bild öffnet es in höherer Auflösung.
Man könnte jetzt eine ausholende Geschichte zu diesem Bild schreiben, vom Anwesen eines verfallenden Herrenhauses und dem umgebenden Park in einem einsamen Dörfchen… wir bleiben hier bei der Wahrheit, auch wenn sie mitunter etwas profaner ist.

Gegenstand dieses Bildes sind die leuchtend roten herbstlichen Blätter, die sich mit dem verfallen wirkenden Tor wunderbar ergänzen und vor dem helleren Hintergrund gut zur Geltung kommen.
Und im nächsten Abschnitt sehen Sie dasselbe Tor mit seinem Umfeld.

Die Umgebung

Beispiel Bildgestaltung: Herbstmotiv mit UmfeldDas direkte Umfeld war bei weitem nicht so malerisch, ganz im Gegenteil sehr alltäglich. Sie sehen das Tor klein in der linken Bildhälfte, es war mir im Vorbeifahren durch das leuchtende Rot aufgefallen – deutlich genug, um etwas später in Ruhe zurückzukehren.
Das verwilderte Grundstück hätte aufgrund der vielen durcheinander wachsenden Pflanzen mit unterschiedlichen Grün- und herbstlichen Gelb- und Rottönen sicher noch mehr zu bieten gehabt, wenn man sich auf entsprechend kleine Ausschnitte beschränkt.

Das Motiv und der passende Blickwinkel

Beispiel Bildgestaltung: Herbstmotiv aus kurzer AufnahmeentfernungDas Bild links zeigt, wie das Tor aus der Nähe aussieht, es ist vom Gehweg davor entstanden – der naheliegende Platz für einen Schnappschuss im Vorbeigehen. Der Hintergrund mit dem Himmel, dem Baum und der grauen Hauswand sind aber störend im Bild.

Beispiel Bildgestaltung: Herbstmotiv aus größerer AufnahmeentfernungAbhilfe würde ein höherer Standpunkt bringen, der allerdings nicht verfügbar war. Aber eine Aufnahme von der anderen Straßenseite und mit entsprechend herangezoomtem Motiv bringt einen flacheren Blickwinkel und schon steht das Hauptmotiv sauber vor einem wesentlich ruhigeren Hintergrund.

Dass das Bild etwas heller geworden ist, liegt daran, dass der Himmel nicht mehr im Bild liegt, der die Belichtungsmessung beeinflusst hat.

Kamera-Einstellungen: Vollautomatik

Beispiel Bildgestaltung: Herbstmotiv mit manuellem WeißabgleichPrüfen wir die wichtigsten Kamera-Einstellungen, die ich gerne immer wieder betone: richtige Belichtung für eine passende Helligkeit und Weißabgleich für eine „richtige“ Farbwiedergabe.

In Bezug auf die Belichtung ist das Motiv unproblematisch: keine großen Helligkeitskontraste, relativ gleichmäßiges Tageslicht durch einen leicht bewölkten Himmel (und einer Wolke, die gerade vor der Sonne war). Da gibt es keine Probleme mit über- oder unterbelichteten Stellen und man kann ruhigen Gewissens der automatischen Kamerabelichtung vertrauen. Ein leichtes Aufhellen oder Abdunkeln je nach Geschmack wäre nachträglich kein Problem.

Beim Weißabgleich war ich unsicher, welche Einstellung passend ist – erfahrungsgemäß fallen die Farben der Kameraautomatik ja bei bewölktem Himmel und im Schatten zu kühl aus, es war aber nur eine sehr dünne Wolke vor der Sonne, die gerade dafür sorgte, dass sich keine harten Schatten bildeten.
Also ausprobieren, die Digitaltechnik macht es ja schließlich leicht: Das über diesem Absatz stehende Bild ist mit einem manuellen Weißabgleich für bewölkten Himmel aufgenommen, das nächste weiter oben mit automatischem Weißabgleich.
Wie erwartet sind die Farben bei manuellem Weißabgleich wärmer, passen aber nicht so richtig zum Motiv; das Rot der Blätter, auf das es ja ankommt, ist nicht mehr so leuchtend und den Gräsern tun die eher bräunlichen Farben auch nicht gut: Sie sehen nicht nur unnatürlicher aus, sondern sorgen auch dafür, dass die Blätter sich nicht mehr so kontrastreich vom Hintergrund abheben.

Ergebnis: Ich habe den Weißabgleich automatisch belassen – keinerlei manuelle Eingriffe.

Bildbearbeitung: Bildausschnitt und Farbabstimmung

Beim Bildausschnitt hilft wie so oft: „dichter ran“. Das Thema des Bildes sind ja die leuchtend roten Blätter. Also konzentriert sich das Bild darauf, beschneidet den Hintergrund so, dass die Gräser gerade nicht störend abgeschnitten sind, links und rechts gerade ein abschließender Rand bleibt und unten das Tor angeschnitten ist – um das Tor geht es ja nicht, also soll es gar nicht ganz zu sehen sein.

Die übrige Bildbearbeitung beschränkt sich auch auf Grundlegendes: etwas wärmere Farben und eine etwas höhere Farbsättigung, damit das Rot leuchtender erscheint. Ein bisschen zu übertreiben ist erlaubt, wenn das Ergebnis gefällt, und in der Tat wirkten die Farben auch in Natur etwas leuchtender als auf dem Ausgangsbild.

All diese letzten Schritte führen zum hier noch einmal gezeigten fertigen Bild.

Zusammenfassung

Lohnende Motive finden sich auch in alltäglichen Situationen, insbesondere wenn es durch besondere Umstände wie hier die Herbstfarben begünstigt ist.
Wenn Ihr Motiv in einem hässlichen Umfeld liegt: Versuchen Sie, es einfach auszublenden, suchen Sie einen kleineren Bildausschnitt – es sei denn, die Hässlichkeit des Umfeldes selber ist Ihr Thema – dann könnten ganz andere Bilder entstehen.

Die übrigen Punkte, die dieses Bild ausmachen, sind ebenfalls simpel:

  • Unterdrücken eines unerwünschten Hintergrundes durch den richtigen Blickwinkel
  • Beschneiden des fertigen Bildes – der wirkungsvollste und einfachste Schritt in der Bildbearbeitung
  • Ansonsten: bei unproblematischen Lichtverhältnissen ein Fotografieren mit der Kamera-Vollautomatik und nur behutsame Nachbearbeitung.