Mein wichtigster Tipp zur Bildgestaltung:
Geben Sie jedem Bild eine „Überschrift“

Am Anfang eines Bildes sollte stehen, dass Sie sich bewusst machen, was Ihr Bild eigentlich ausdrücken soll. Davon wird abhängen, welche von den vielen Möglichkeiten, ein und dasselbe Motiv aufzunehmen, Sie wählen – aus der Nähe oder aus der Ferne, mit welchem Hintergrund, welcher Bildteil scharf erscheinen sollte und vieles mehr.

Dieser Tipp gibt Ihren Überlegungen, wie Sie ein Bild gestalten, eine Richtung und vermeidet, dass Sie bei einem schönen Motiv aufs Geratewohl eher zufällig schöne Bilder produzieren; mir hilft er, weniger und bessere Bilder zu fotografieren.

Er bringt dazu, nachzudenken, was genau ein Motiv besonders macht, und dann können Sie weiter überlegen, wie Sie das Besondere im Bild zur Geltung bringen.

Zur Veranschaulichung ein plakatives Beispiel: Links eine Rose, die noch blühte, als der erste Schnee fiel; ordentlich von oben bis unten auf das Foto gebracht.
„Aha, eine Rose im Schnee“ mag ein Betrachter denken, was auch offensichtlich die „Überschrift“ dieses Bildes ist.
Das eigentlich Interessante ist aber, dass sie noch blüht und das kräftige Rot im Kontrast zu den dunklen Blättern und dem weißen Schnee.

Also sollte sich das Bild darauf konzentrieren – links ist dasselbe Motiv mit einem anders gewählten Bildausschnitt zu sehen, der beide Aspekte viel besser zum Ausdruck bringt.
„Oh! eine farbige Rosenblüte im Schnee“ ist eine wahrscheinliche Reaktion auf dieses zweite Bild und diese leicht geänderte „Überschrift“ des Bildes bzw. das Beobachten, was den eigentlichen Reiz des Bildes ausmacht, führt zu einem anderen Bildausschnitt und einem ganz anderen Foto mit viel stärkerer Wirkung.

So wie eine gute Überschrift das Wesentliche eines Textes mit wenigen Worten trifft, sollten Sie sich also in Gedanken mit einer „Überschrift“ für Ihr Foto klar werden, was die wirklich wesentlichen Aspekte sind und dann haben Sie eine Hilfe für die weitere Bildkomposition.

In der Regel wird es dazu führen, dass Sie einen anfänglich wahrgenommenen Bildinhalt Schritt für Schritt reduzieren, vereinfachen, konzentrieren.
„Was kann ich weglassen?“ ist oft hilfreicher als „Wie bekomme ich mehr aufs Bild?“

Im hier gewählten Beispiel führte es dazu, dichter heranzugehen und die Blüte als Hauptmotiv größer abzubilden. Mit einer weiteren Reduktion nur auf die rote Blüte mit etwas weißem Schnee ließe sich auch ein schönes Bild machen, aber hier erschien etwas mehr Umfeld angebracht, das den winterlichen Eindruck verstärkt und auch die bereits verwelkte Blüte einbezieht; ebenso wie der Schnee und die dunklen Blätter ein Kontrast zur noch frisch aussehenden roten Blüte..