Eichung auf „mittleres Grau“

Der erste Grundsatz zum Verstehen von Belichtungsmessung ist:

Alle Belichtungsmesser sind so geeicht, dass Sie ein kontrastarmes Motiv in mittlerer Helligkeit wiedergeben.

Beispielmotiv für Belichtungsmessung: schwarzer und weißer KartonEin praktisches Beispiel zur Veranschaulichung: Ein weißes und ein schwarzes Stück Karton liegen nebeneinander. Die beiden Murmeln darauf sind nur zur Unterscheidung und damit die Kamera eine Hilfe zum Fokussieren hat.

In der folgenden Tabelle sind Aufnahmen, bei denen nur der weiße oder nur der schwarze Karton das Bild ausfüllt. Jeder der beiden ist mit drei unterschiedlichen Belichtungs-Messmethoden aufgenommen.

Belichtungsmessung weißer Karton schwarzer Karton
Matrix-Messung
Mehrfeld-Messung

weißer Karton, Matrix-Messung

schwarzer Karton, Matrix-Messung

Spot-Messung

weißer Karton, Spot-Messung

schwarzer Karton, Spot-Messung

Integral mittenbetont

weißer Karton, mittenbetonte Integralmessung

schwarzer Karton, mittenbetonte Integralmessung

Falls Sie sich wundern, dass alle Bilder praktisch gleich aussehen: Ja, alle Aufnahmen sind tatsächlich ohne jegliche Manipulation und Belichtungskorrektur aufgenommen. Ich habe nach dem Übersichtsfoto mit beiden Kartons auf dem Teppich lediglich die Kamera über die einzelnen Kartons bewegt und die Belichtungs-Messmethoden verändert.

Zunächst zum Vergleich der verschiedenen Belichtungs-Messmethoden
untereinander:
Die Methoden unterscheiden sich darin, an welchen Stellen des Bildes die Helligkeit gemessen wird und wie die gemessenen Helligkeitswerte zu einer Art Mittelwert zusammengeführt werden. Eine der späteren Seiten erklärt dies genauer, hier genügt diese Verallgemeinerung.

Wenn die Helligkeit überall im Bild gleich ist, müssen alle Verfahren zum gleichen Ergebnis führen.

Die moderne „3D Color-Matrixmessung II“ einer Nikon D7000 mit 2016 RGB-Sensoren zeigt – wie es alle modernen Verfahren anderer Kameras auch tun würden – tatsächlich gleiche Ergebnisse wie die „mittenbetonte Integralmessung“, die bereits in den 1980er Jahren Standard war, als es noch gar keine Digitalfotografie gab.
Ein solches kontrastarmes Motiv gibt den modernen Verfahren keine Chance, ihre Raffinesse auszuspielen.

Nun zum Vergleich des schwarzen und weißen Kartons:
Die Kamera-Elektronik kann die Menge des vom Motiv in die Kamera einfallenden Lichtes messen und sie kennt die Menge des Lichtes, die der Bildsensor verträgt, bevor ein Foto überbelichtet – also rein weiß – erscheint.

Die Kamera kann aber nicht wie ein Mensch eine hell beleuchtete schwarze Fläche von einer schwach beleuchteten weißen unterscheiden und die Belichtungsmessung ist daher auf eine angenommene mittlere Bildhelligkeit geeicht.

Wenn Ihr Motiv dieser angenommenen durchschnittlichen Helligkeitsverteilung entspricht, passt die Belichtung – wie in dem Übersichtsbild, das sowohl die schwarze als auch die weiße Fläche enthält. Wenn nicht, wird Ihr Bild zu dunkel oder zu hell ausfallen.

Dieser erste Grundsatz gilt übrigens für alle Digitalkameras unabhängig von ihrer Preisklasse und heutzutage genau so wie bereits in Jahrzehnten der analogen Fotografie, bevor Digitalfotografie sich durchsetzte.