Belichtungszeit und Unschärfe

Kurze Belichtungszeiten sind unproblematisch, mit länger werdenden Belichtungszeiten nimmt das Risiko von unscharfen Bildern aus zwei Gründen zu:

Bewegungsunschärfe entsteht dadurch, dass Ihr Motiv sich während der Belichtungszeit bewegt. Klicken Sie das nachstehende Beispiel an, wenn Sie es größer sehen möchten:


Das Risiko von Bewegungsunschärfe ist bei bewegten Objekten, die dicht an der Kamera sind, größer als bei weiter entfernten Motiven.

Konkrete Zeitangaben sind stets ungenau und nur Richtwerte, da es zu sehr auf die Aufnahmesituation und Ihre Erwartungen ankommt, wann ein Bild noch „scharf genug“ ist.

Meine Richtwerte sind: Über 1/60 s werde ich vorsichtig, da können bereits Personenaufnahmen durch Sprechen oder Gestikulieren Unschärfen bekommen. 1/250 s darf es mindestens für bewegte Objekte wie spielende Kinder oder bei Sportaufnahmen sein. Für wirklich scharfe Aufnahmen von sehr schnellen Bewegungen kommen Sie aber rasch in den Bereich von 1/1000 s oder noch weniger.

Es führt kein Weg daran vorbei, selber zu probieren und eigene Erfahrungswerte zu sammeln, wenn Sie das Risiko von Bewegungsunschärfe selber einschätzen möchten.

verwackeltes Foto aufgrund langer BelichtungszeitVerwacklungsunschärfe entsteht dadurch, dass die Kamera sich während der Belichtungszeit bewegt.
Bei Millionen von Pixeln, die auf winzigen Sensoren untergebracht sind, reichen Bruchteile von Millimetern, um sichtbare Verwacklungen zu erzeugen.

An scharfen Kanten kann man Verwackelungen wie eine Art Schatten sehen und erkennen.

Die Verwacklungsgefahr ist abhängig von der Brennweite – Teleobjektive zeigen einen kleineren Bildausschnitt und verwackeln leichter als Weitwinkelobjektive, wie man schon beim Blick durch den Sucher leicht feststellen kann.

Auch hier sind konkrete Zeitangaben, ab wann Verwackelungen auftreten, schwierig.

Eine gern zitierte alte Faustregel besagt, dass die Belichtungszeit kürzer als der Kehrwert der Brennweite sein sollte – also z. B. 1/100 s oder kürzer bei 100 mm Brennweite.
So einfach ist es aber nicht, denn diese Regel kommt aus Zeiten der Analogfotografie. Alle Digitalkameras mit Ausnahme sogenannter „Vollformat“-Spiegelreflexkameras mit besonders großem Sensor sind empfindlicher gegen Verwackelungen als Filmkameras, denn sie haben kleinere Sensoren und bei gleichem Bildausschnitt kleinere Brennweiten.
Die Regel ist aber besser als gar nichts und wird gerne zitiert, da sie einfach ist und die Illusion konkreter Zahlen liefert.

Und: Heutzutage haben fast alle Kameras und Objektive einen Verwackelungsschutz, der längere verwackelungsfreie Belichtungszeiten ermöglicht. Damit haben Sie wieder eine gute Chance, dass sie trotzdem funktioniert.

Zudem hängt die Verwackelung von folgenden weiteren Punkten ab:

  • Ob Sie eine stabile, ruhige Körperhaltung einnehmen und sich darauf konzentrieren, die Kamera ruhig zu halten.
  • Ob Sie von Natur aus eine ruhige Hand haben – es gibt Fotografen, die scharfe Fotos freihändig aufnehmen, wo andere nur verwackelte Aufnahmen produzieren.
  • Ob Sie Glück haben – probieren Sie es aus, nicht alle Aufnahmen verwackeln gleich stark. Ich mache gerne drei oder vier Serienbilder, wenn Verwackelungen drohen, und hebe die beste auf.

Also auch hier: Eigene Erfahrungen sammeln, beobachten und lernen, was für einen selber zutrifft. Ich verwende die obige Regel als Anhaltspunkt bei DSLR-Kameras ohne Vollformat-Sensor und mit Verwackelungsschutz, ohne wäre ich vorsichtiger.